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Weilheim – Das Ganze war ein richtiger Dämpfer für Frieda Tauber. Die bayerische Vizemeisterin im Degenfechten hatte in der Vorrunde der deutschen U15-Meisterschaft in Leverkusen lediglich drei von sechs Gefechten gewonnen. Unter 70 Teilnehmerinnen war das nur der 30. Platz und bedeutete, dass sie bereits früh auf die Topfavoritinnen treffen würde. Doch die 14-Jährige vom TSV Weilheim blieb cool, fand zu ihrer gewohnten Form, räumte alle Hürden aus dem Weg – und hielt am Ende die Silbermedaille in den Händen. Der deutsche Vizetitel eröffnet Tauber einen besonderen Weg: Sie wird an den Bundesstützpunkt für Damendegen nach Bonn wechseln und dort das Sportinternat besuchen.
„Ich habe mich sozusagen von hinten hochgearbeitet“, sagt Tauber über ihren DM-Auftritt – und fügt mit Blick aufs Top-Ergebnis hinzu: „Das war wohl an dem Tag der richtige Weg.“ Es dürfte auch Nachwuchsbundestrainerin Kristina Kuusk gezeigt haben, was Tauber so drauf hat. Die ehemalige Weltklassefechterin aus Estland, mit dem Team ihres Heimatlandes 2016 Olympia-Vierte und 2017 Weltmeisterin, gab noch in der Halle TSV-Trainer Wolfgang Reuthner zu verstehen, dass sie das oberbayerische Talent gern am Bundesstützpunkt haben möchte. „Es war mein Ziel, dahin zu kommen“, sagt Tauber. Im September, mit Beginn des neuen Schuljahres, beginnt ihr Abenteuer in der Fremde.
Faible für Einzelsport
Die Weilheimerin besuchte die Hardtschule, als sie seinerzeit einen Prospekt des TSV 1847 in die Hände bekam. „Das Fechten hat mich angesprochen.“ Sie sei jemand, „der Einzelsportarten mag“, sagt Tauber, die noch eine Schwester und einen Bruder (beide sind älter) hat. Beim Fechten „muss man den ganzen Körper anstrengen. Es ist physisch und psychisch fordernd.“ Seit rund sechs Jahren betreibt Tauber den Sport. Im Juni 2022 erlangte sie die Turnierreife, also die offizielle Erlaubnis, an Wettkämpfen teilzunehmen.
Seither gehört Tauber „kontinuierlich zur Spitze ihrer Altersklasse in Bayern“, sagt Reuthner. Durchgehend gehörte sie in ihrer Rangliste zu den besten drei Athletinnen im Freistaat. Je zweimal war sie bayerische Vizemeisterin in der U15 und U17. Tauber hat zudem bewiesen, dass sie ihre Stärken auch für ein Team zur Geltung bringen kann. In ihrer Erfolgsliste stehen zwei bayerische Team-Titel (U13/U20). In der deutschlandweiten „Allstar Challenge“ (für die DM-Qualifikation entscheidend) belegte Tauber in der laufenden Saison den elften Rang.
Beim TSV Weilheim nimmt die Weilheimerin zweimal die Woche am regulären Training teil. Hinzu kommen noch ein- bis zweimal Lektionen – das sind technische Fecht-Übungen mit dem Trainer. Und dann geht Tauber auch noch zweimal ins Fitness-Studio. Die jugendlichen Leistungsfechter können dabei gemäß einer Absprache die Einrichtung im TSV-Vereinszentrum nutzen. So kommen sechs Tage Sport zusammen. Die Eltern stehen hinter den Ambitionen der Tochter. „Sie unterstützen mich“, betont Tauber.
Demnächst wird das Fechttalent, das den Degen mit der rechten Hand führt, in Bonn eine sogenannte Probewoche absolvieren. Da lernt Tauber die Örtlichkeiten und das Procedere am Bundesstützpunkt kennen. In Weilheim besucht sie die Realschule, das Sportinternat in Bonn ist ein Gymnasium. Dafür wird Tauber noch eine zusätzliche Fremdsprache lernen. Ziel des Stützpunktes ist, Fechter hervorzubringen, die für Deutschland unter anderem bei Weltmeisterschaften und bei Olympia antreten.
Bevor Tauber in Leverkusen U15-Silber holte, war sie kurz davor bei der DM der U17 in Bielefeld am Start. Der Wettbewerb war für sie, die als Nachrückerin einen Startplatz erhielt, lediglich „als Vorbereitung auf die U15-DM gedacht“, so Trainer Reuthner. Immerhin traf Tauber auf bis zu zwei Jahre ältere Konkurrentinnen. Mit fünf Siegen aus sechs Gefechten verlief die Vorrunde bestens, auch in der K.o.-Runde bewies sie gute Form. So beendete sie den Wettbewerb als beachtliche Neunte unter 70 Starterinnen.
Das Resultat „ließ uns auf ein gutes Abschneiden bei der U15-DM hoffen“, so Trainer Reuthner. Nach dem mäßigen Abschneiden in der Vorrunde in Leverkusen war klar: „Sie muss halt den harten Weg gehen und schon früh die Guten schlagen“, so Reuthner. Das gelang auch. In der ersten K.o.-Runde gab es einen 15:12-Sieg über Kayla Zhong (FC Offenbach), die Nummer 26 der Setzliste. In der Runde der besten 32 traf Tauber dann auf Marie Moll (FC Offenbach), die in der bisherigen Saison deutschlandweit die Stärkste war. Gegen die Topfavoritin „wuchs Frieda über sich hinaus“, lobt Reuthner. In einem lange ausgeglichenen Duell setzte sich die Weilheimerin mit 15:13 durch.
Mit diesem Erfolg übernahm Tauber den Lauf von Moll. In den folgenden zwei Runden traf sie somit „erst einmal wieder auf machbare Gegnerinnen“, so Reuthner. Mit dem 15:11-Sieg über Eleanor Bensberg (FZ Solingen) war der Halbfinaleinzug perfekt gemacht und somit eine Bronzemedaille schon sicher. Im Semifinale traf Tauber auf Charlotte Englert (Eintracht Frankfurt), punktgleich mit Moll zweitbeste Fechterin der Vorrunde. Das Gefecht verlief über die 3 x 3 Minuten sehr lange ausgeglichen. Mit einem 10:10 ging es in den letzten Abschnitt. Tauber trat schließlich „hoch konzentriert und mit dem absoluten Willen, das Gefecht zu gewinnen“ auf, so Reuthner. Bei Ablauf der Uhr führte Tauber mit 15:10.
Im Finale in Führung
Im Finale gegen Aura Strachun (OFC Bonn) ging die Weilheimerin in Führung. Allerdings geriet danach manche Aktion „zu überhastet und etwas unsauber im Abschluss“, analysierte Reuthner. Nach dem ersten Drittel lag Tauber mit 7:12 zurück, das Gefecht endete mit 9:15. Der ersten Enttäuschung wich die Freude über eine insgesamt starke Leistung bei der DM und über die Silbermedaille.
Auch wenn Frieda Tauber künftig in Bonn leben, zur Schule gehen, trainieren und fechten, wird der TSV Weilheim weiter durch sie bei Turnieren repräsentiert. Bundesstützpunkt-Athleten fechten oftmals weiter für ihren Heimatverein – was die Weilheimerin auch vorhat. Ehrensache, dass sie auch, wenn sich die Gelegenheit ergibt, bei den ehemaligen Trainingskollegen vorbeischauen wird.
[Quelle:Weilheimer Tagblatt/ Lokalsport; 20.06.2026; Paul Hopp]