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Weilheim – Es hat schon deutlich besser besuchte Heimspiele der Weilheimer Basketballer gegeben. Aber die 80, 90 Leute, die gekommen waren, wussten immerhin, was sich gehört. Als Sebastian Betz kurz vor Schluss das Spielfeld verließ, toste Applaus von den Tribünen. Mancher erhob sich nach diesem monumentalen Meisterwerk. Mit dem sagenhaften Ergebnis von 116:88 (64:47) pusteten die Weilheimer ihren Augsburger Gegner von der BG Leitershofen/Stadtbergen II aus der Jahnhalle – und der Schöpfer dieser Gala war freilich Basti Betz, das Alpha und Omega der Red Devils. Sein Trainer Darryl Millwood fasste es mal wieder treffend zusammen: „Basti ist die zentrale Figur.“ Wobei sogar das noch untertrieben war. Jede einzelne Minute auf dem Feld veränderte er die Partie wie ein Puppenspieler, der aber gleich fünf Figuren auf einmal bedient.
In der Defensive zog Millwood um ihn herum seine gefürchtete Matchup-Zone auf. Dieses taktische Spinnennetz packte er nach Ewigkeiten mal wieder aus. Auch weil es dafür äußerst intelligente Verteidiger braucht. Für den Gegner sind die ständigen, unvorhersehbaren Fallen auf dem ganzen Spielfeld schwer zu decodieren. Und wer doch einmal durchkommt, erwartet am Korb mit Basti Betz einen Flummi, der mit 40 Jahren noch immer mühelos und pausenlos über den Ringen fliegt. „Wenn das klappt, sind wir im Spiel“, wusste der Trainer.
Und wie es klappte. Die Leitershofener wussten nichts mit dieser unkonventionellen Defensive anzufangen, die man praktisch nie zu Gesicht bekommt. Sie haben zwei individuell überragende Basketballer in ihren Reihen, doch selbst die entschieden sich für die falschen Mittel. Die Matchup-Zone verleitete sie zu vielen Einzelaktionen und überhasteten Distanzwürfen. Ihre Kollegen warfen den Ball in der Panik gleich direkt zu Weilheim. Ein ums andere Mal schwärmten die Weilheimer aus. Basti Betz gab den Quarterback, versorgte sie mit langen Pässen – und schon hieß es 36:18 nach Viertel eins.
In der Woche davor hatte es ein erbauliches Gespräch von Millwood und seinem Team gegeben. „Die haben einen Anschiss von mir bekommen, weil wir zu wenig Punkte machen“, scherzte der TSV-Coach. Sein Mittel: mehr Steilangriffe mit Betz als Initiator. „So machen wir pro Spiel 15 Punkte mehr, haben bessere Chancen zu gewinnen“, hält Millwood fest und sah sich gegen Leitershofen vollumfänglich bestätigt. Wirklich erstaunlich war, dass das alles ohne die zweite Konstante, Alexander Thumser, vonstatten ging. Der bekam bereits nach drei Minuten einen Schlag aufs Schienbein, setzte vorsichtshalber den Rest aus. Trotzdem rollte die Offensive unaufhaltsam über die Gäste hinweg.
Die Antwort auf alle Rätsel des Gegners hieß an diesem Abend Basti Betz. Gegen die knifflige Press-Verteidigung der Augsburger installierte ihn Millwood als Aufbauspieler. Vorn im Positionsangriff spielte die frühere Bundesligagröße mal unter dem Korb, mal an der Dreierlinie. Mal warf er, und immer, wenn zwei Augsburger zu ihm kamen, setzte er die Kollegen in Szene. „Für diese Liga ist er der beste Allrounder, er hilft uns unheimlich weiter“, schwärmte der Coach. Basti Betz sah aus wie ein Alien unter Menschen. Wenn ihm danach gewesen wäre, hätte er den Gästen 60, 70 Punkte einschenken können. So waren’s am Ende 40 Zähler bei exzellenten Quoten. Betz war ein Gravitationsfeld, um das alles und jeder kreiste. „Alle haben ein gutes Spiel gemacht“, lobte Millwood, weil ausnahmslos jeder Weilheimer einen Teil von Betz’ Genialität abbekam. Arian Culum und Philip Merkl versenkten die Dreier traumwandlerisch sicher (insgesamt sieben Treffer der beiden), Andi und Alex Brem gaben die Liniensprinter im Schnellangriff. Am Ende war das auch ein Statement im Abstiegskampf der 2. Regionalliga. Da braucht es schon einiges, um die Weilheimer mit einem Betz in dieser Verfassung nach unten in die Bayernliga zu drücken.
Statistik
Weilheims Spieler und Punkte: Sebastian Betz 40/5 Dreier, Arian Culum 24/4, Philip Merkl 20/3, Andreas Brem 13, Greg Carter 7 (1), Alex Brem 5, Janis Modl 4, Sebastian Niederreiter 3/1, Alex Thumser.
[Quelle: Weilheimer Tagblatt/ Lokalsport; 10.03.2026; Andreas Mayr]