Weilheim – Das „Projekt Zukunft“ setzte da an, „wo wir aktuell die größten Probleme sehen. In Teilen sind zu wenig Aktive in der Halle, und zusätzlich wurde ein großer Mangel an Trainerinnen und Trainern festgestellt“, erläuterte Spartenchef Silvester Wolf den 30 Anwesenden den Grund für den Antrag der Abteilungsleitung, erstmals einen Minijob zu schaffen. „Vor allem im weiblichen Bereich hinken wir unseren Zielen noch weit hinterher“, führte Wolf aus. Bei den Mädchen fehlen 60 Spielerinnen und bei den Jungs 15, rechnete er vor. „Wir wachsen zwar, aber leider zu langsam“, sagte er.

Von der Zielmarke von rund 300 Kindern und Jugendlichen, die benötigt werden, um die bestehenden Teams zu betreiben, sind die Weilheimer somit noch ein ordentliches Stück entfernt. „Wenn wir im aktuellen Tempo weitermachen, brauchen wir noch mindestens zehn Jahre, um alle unsere Mannschaften im männlichen und weiblichen Bereich voll zu haben. So lange können wir nicht warten“, betonte Wolf. Deshalb wollen die Handballer über regelmäßige Schnupperstunden an Schulen systematisch versuchen, Mitglieder anzuwerben. „Dann sind wir hoffentlich in zwei Jahren bei einem Aufnahmestopp, denn wir wollen nur die Mannschaften auffüllen, die ja schon jetzt Trainingszeiten haben. Mehr wird dann nicht mehr gehen mit der aktuell sehr angespannten Hallensituation.“

Umgesetzt werden diese Schnupperstunden durch einen Minijobber, was eine Abkehr von der reinen Ehrenamtlichkeit im Verein ist. „Es ist unrealistisch, dass jemand ein bis zwei Vormittage in die Schulen geht, um Werbung für uns zu machen, wenn wir nicht auch etwas dafür bezahlen“, erklärte der TSV-Handballerchef. Die dafür nötigen finanziellen Mittel will sich die Abteilung über deutlich steigende Mitgliedsbeiträge sichern. „Wir betrachten das als Investment in unseren Sport“, so Wolf.

Für diesen Teil des Projekts sind sechs Wochenstunden veranschlagt, zwei weitere Stunden sind für das Management des Trainerteams eingeplant. Letzteres Thema soll der Minijobber ebenfalls beackern. „Weil uns aktuell Trainerinnen und Trainer fehlen und die, die schon da sind, zum Teil doppelt eingespannt sind, worunter die Ausbildungsqualität leidet“, berichtete Wolf, der selbst gleichzeitig Abteilungsleiter und Trainer der Herrenmannschaft ist, über den Mangel an Ehrenamtlichen.

Mit der bezahlten Kraft soll nun jemand die Trainergewinnung forcieren, aber auch die Ausbildung der Nachwuchstrainer übernehmen. „Das ist richtig viel Arbeit, die für uns als Verein aber auch lohnenswert ist. Leider konnten wir in den letzten drei Jahren niemanden finden, der diese Position ehrenamtlich übernimmt, daher ist es auch hier alternativlos, Geld in die Hand zu nehmen“, erläuterte Wolf weiter.

Angesetzt ist das Projekt zunächst für ein Jahr. Danach wird geprüft, ob die Kombination aus Ehrenamtlichkeit und Hauptamtlichkeit den erhofften Erfolg bringt.

Geeignete Kandidatin ist schon gefunden

„Da ist natürlich auch Führungskompetenz in den Abteilungen gefragt, es geht auch um arbeitsrechtliche Vorgaben, die eingehalten werden müssen“, erklärte TSV-Präsident Björn Bartnik. „Wir wollen dieses Pilotprojekt gerne ermöglichen, sehen aber auch gewisse Risiken. Daher wird das Projekt eng begleitet, um zu sehen, ob uns das wirklich hilft“, meinte Bartnik, ehe die Versammlung das Vorhaben einhellig absegnete.

Da es eine geeignete Kandidatin gibt, soll das Projekt schon im April starten. „Wie könnten wir Geld besser investieren, als Kinder von unserem Sport zu überzeugen, junge Engagierte auszubilden und Ehrenamtliche zu gewinnen“, bekannte Wolf abschließend.