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25. Februar 2017
TSV 1847 Weilheim e.V. – 150 Jahre
3. März 2017
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Der TSV von 1881 – 1890

Archiv 1881 - 1890


1847
Von der Gründung bis ins 20. Jahrhundert (3)


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Insulanertanzgruppe beim Turnerball 1883

Mit der Reaktivierung nach den Jahren im Untergrund ging es mit dem Turnverein schnell, stetig und in vielerlei Hinsicht bergauf. Es wurden Turnkurse, Waldfeste, Tanzfeste, Faschingsveranstaltungen (siehe Foto der Insulanergruppe vom urnerball 1883) abgehalten. Protokoll der Turnversammlung Die Zeitung war voll von entsprechenden Ankündigungen und lobenden Berichten.

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Bereits am 16.Oktober 1883 konnte festgestellt werden, "daß es der unermüdlichen Befürwortung des Herrn Bürgermeisters Oswald Weinhart, Ehrenmitglied des Vereins, zu verdanken sei, daß die Erbauung einer Turnhalle genehmigt und schon heute der Plan einer Turnhalle vorgelegt worden sei, was allgemeine Freude hervorrief, zumal Herr Bürgermeister bekundete, daß hochlöblicher Stadtmagistrat sämtliche Kosten zu tragen übernimmt." So entstand Weilheims erste Turnhalle am Max-Joseph-Platz, die bei Sportlern und Zuschauern helle Begeisterung hervorrief und bis nach dem 1.Weltkrieg allein unserem Verein diente.

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Der Verein, der bereits 1863 gebührend des deutschen Einigungsfestes auf dem Schlachtfeld bei Leipzig 50 Jahre davor gedacht hatte, beuchte im Laufe der nächsten Jahre viele Turnfeste befreundeter Vereine, so zum Beispiel 1881 in Traunstein. Er beschickte im Juni desselben Jahres das 5. Deutsche Turnfest in Frankfurt und durfte im August 1884 selbst das Oberbayerische Bezirksfest in seinen Mauern durchführen. Das Weilheimer Tagblatt kündigte das Oberbayerische Bezirksturnen in entsprechender Aufmachung an und lobte anschließend die Veranstaltung in überschwenglichen Worten. 26 Vereine mit 23 Fahnen und weit über 400 Turner nahmen teil, der Festzug bewegte sich durch die Obere Stadt und die Münchner Straße zum fahnengeschmückten Turnplatz an der Ammer mit der neu erbauten Turnhalle. Der oberbayerische Bezirksturnverband hatte in seiner Ausschußsitzung vom 26.September 1883 die Vergabe des Bezirksturnfestes nach Weilheim davon abhängig gemacht, daß dort eine für solche Feste entsprechende Turnhalle gebaut werde.

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Die Mitgliederzahl wuchs ständig und die neuen Mitglieder konnten sich geschmackvoller "Aufnahmskarten" erfreuen.

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Nach der Stillegung der Ammerturnhalle war der Turnverein, wie im folgenden Abschnitt noch auszuführen sein wird, für seine Aktivitäten auf die Turnhalle des städtischen Realschul-Pensionats (später Gymnasium) an der Murnauer Straße angewiesen, die im Jahre 1896 geplant und anschließend gebaut wurde. Das Pensionat hatte in Zeitungsannoncen um Schüler für die sechskursige Realschule unter anderem mit dem Hinweis auf seine neue Halle mit neuesten Geräten, großen Gartenanlagen, Spielplatz und anderem geworben. Diese Schulturnhalle wurde erst im Jahre 1957 abgerissen.

1847
Von der Gründung bis ins 20. Jahrhundert (4)


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Noch bis gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts stand unser Verein, wie andere auch, immer noch unter staatlicher Beaufsichtigung. Von Zeit zu Zeit mußten auf Anordnung des königlichen Bezirksamtes Verzeichnisse der politischen und nichtpolitischen Vereine vorgelegt werden mit der Benennung des Vereinszweckes, des Namens und Charakters des jeweiligen Vorstandes, des Ortes und der Zeit der Versammlungen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde kam es damals in unregelmäßigen Abständen zu mehreren Neufassungen unserer Statuten und Satzungen. Interssant sind die im folgenden abgebildeten Statuten von 1878 nebst Turnordnung aus dem Jahre 1868 sowie für Historiker der Hinweis, daß in Weilheim um die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts vorübergehend sogar zwei Turnvereine bestanden haben, nämlich der TV und der M.T.V. (Männerturnverein). Auf einer Generalversammlung vom 6.Mai 1976 schloß man sich zum Turnverein zusammen. Aufnahmskarten und Eintrittsdaten der Mitglieder des bisherigen M.T.V. behielten Gültigkeit. Am 1.Januar 1892 fand eine Zählung der deutschen Turnerschaft statt. Die Zahl aller im Bereich von Deutschland und Deutsch-Österreich bestehenden Turnvereine war auf 5081 gestiegen. Davon gehörten 4519 zur deutschen Turnerschaft; sie verteilten sich auf 3841 Vereinsorte. Die Zahl der Vereinsangehörigen über 14 Jahre betrug in Deutschland 447 046 Turner. Unter der Leitung des Vorstandes Max Kleßinger, der nach Jakob Steigenberger (1862-1868), Oswald Weinhart (1868-1873), Johann Miller (1873), Benedikt Ferchl (1873-1876) und abermals Oswald Weinhart (1876-1880) im Jahre 1880 die Leitung des Vereins übernommen hatte, zählte dieser 26 ordentliche, 72 außerordentliche, fünf Ehrenmitglieder und zwölf Mitturner im Alter von 16 - 18 Jahren. Die jüngeren Vereinsmitglieder im Alter von 13 - 15 Jahren, Ende des vergangenen Jahrhunderts noch alle männlichen Geschlechts, wurden Zöglinge genannt. Ein turnerisches Jahr war mit vielen verschiedenen Veranstaltungen ausgefüllt, zum Beispiel mit dem Anturnen im Frühjahr, mit regelmäßigen Turnunterricht, mit den beliebten und herrliche inszenierten Waldfesten am Gögerl, am Hechenberg oder am Brunnenhäuschen, dem Abturnen im Herbst, den Winterturnenkränzchen, regelmäßigen Vereinstanzkursen und Faschingsunterhaltungen. Hinzu kamen regelmäßige Ausflüge zu Nachbarvereinen, insbesondere nach München und Empfang auswärtiger Turnvereine (die stets mit Wetturnen verbunden waren), die obligate Teilnahme an Gau-, Bezirks- und Landesturnfesten und - als Höhepunkt - an den deutschen Turnfesten, etwa am deutschen Turnfest im Juli 1889 in München, an dem 24 Turner aus Weilheim und insgesamt rund 100 Turner aus dem Turngau Weilheim teilnahmen.

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Auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten, fühlten sich die Mitglieder unseres Vereins damals sehr wohl. Gelungene Theateraufführungen waren die Posse "Der Gmoadepp", im Jahre 1894 das "Stiftungsfest" (das gute Einnahmen für die Anschaffung von Turngeräten erbrachte), sowie imJahre 1895 der "Paternosterkramer von Ettal", von der Öffentlichkeit als eines der hübschesten Stücke bezeichnet, die bisher in Weilheim aufgeführt wurden. Zum Jahreswechsel 1903/1904 führte der Turnverein das melodramatische Weihnachtsspiel "Unser täglich Brod gieb uns heute" auf. Der geräumige Hipperkeller-Saal war überfüllt, viele Interessenten mußten abgewiesen werden. Wie zu allen Zeiten waren im Leben unseres Vereins auch damals schon die runden Gründungsfeste (Stiftungsfeste) sportliche und gesellschaftliche Höhepunkte für die ganze Stadt. Zum 30. Stiftungsfest im Jahre 1877 bekam der Turnverein von den Frauen und Jungfrauen der Stadt Weilheim eine wunderschöne, große, reichbestickte Vereinsfahne gewidmet, die zu unserer Freude bis auf den heutigen Tag in unserem Vereinsarchiv erhalten geblieben ist.

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Beim 50. Stiftungsfest im September 1897 ließ sich die Weilheimer Bevölkerung durch die schlechte Witterung nicht davon abhalten, für den Festzug die Straßen der stadt zu beflaggen und mit hübschen Dekorationen zu schmücken. Nach den sportlichen Veranstaltungen wurde am Abend ein gelungener Festcommers, diesmal im prächtig geschmückten Bräuwastl-Keller, abgehalten, den allerdings der im Vorjahr verstorbene Jakob Steigenberger nicht mehr miterlebte. Wieder enmal sorgte der Weilheimer Liederkranz-Orchesterverein für die festliche Umrahmung und sein Dirigent, Herr Kormann, hatte sogar einen Festmarsch komponiert. Vom Vertreter des Turnvereins München bekam unser Verein ein prachtvolles Fahnenband, vom Vertreter des Männerturnvereins München einen prächtigen Humpen und vom Turnverein Mittenwald einen von dessen Mitgliedern gepflückten großen Edelweißkranz als Geburtstagsgeschenk überreicht. Anläßlich dieses Jubiläums, das mit dem XX.Gauturnfest verbunden war, wurden folgende verdiente Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt: Ulrich Frank, kgl. Reallehrer; Max Kormann, Chorregent; Jakob Weinhart, Wagenfabrikant; Jakob Henrich, Privatier; J.Metz, Bezirksfeldwebel und Alois Krettner, Hauptkassa-Funktionär in München. 1. Vorstand war damals wiederum der hochverdiente Max Kleßinger, der nach Jakob Weinhart (1887 - 1888) noch einmal über 10 erfolgreiche Jahre (1888 - 1899) die Vereinsgeschäfte übernommen hatte. Zwar fielen die ins Nachmittagsprogramm übernommenen Volksbelustigungen auf dem Turnplatz der schlechten Witterung zum Opfer; dafür wurde der anschließende Festabend im überfüllten Bräuwastl-Keller mit Konzert und Vorführungen ein umso größerer Erfolg. Unter anderem boten 16 als griechische Jünglinge verkleidete Turner in sechs Bildern charakteristische Stellungen aus der altgriechischen Olympiade dar, unter anderem Diskuswerfen und Faustkampf. Ein weiterer Tag des 50jährigen Jubiläums war einem Preischießen der Feuerschützen-Gesellschaft zu Ehren unseres Vereines gewidmet. Zur Erinnerung an ein halbes Jahrhundert Turnverein in Weilheim ließ sich die gesamte aktive Turnerschaft nebst Funktionären in einem Foto festhalten, das als Hintergrund die Turnhalle an der Ammer zeigt.

Quelle : Jubiläumsheft zum 150 jährige Jubiläum des TSV 1847 Weilheim e.V. im Jahr 1997